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Goethes Reise durch das Wipptal

„Nach Italien … nach Italien“, hatte Johann Wolfgang von Goethe schon 1770 in Straßburg sehnsüchtig ausgerufen. Beim Anblick der nach Raffaels Entwürfen gewebten Gobelins wurde Goethe von der Leidenschaft für das Land in dem die Zitronen blühen überwältigt. 16 Jahre später war es soweit. Im September 1786 kehrte er dem Weimarer Hof den Rücken. Goethe hatte leichten Zugang zu Reiseberichten und Karten, die er in den Bibliotheken des Vaters und Großvaters eifrig studierte. Er entschied sich für die Reiseroute Karlsbad - Innsbruck – Brennerpass - Venedig.

 

In Innsbruck angekommen

Die Strecke von Karlsbad bis zum Brenner durcheilte er mit nur drei Übernachtungen. In Innsbruck angekommen notierte Goethe: Es „ … liegt herrlich in einem breiten reichen Tal zwischen hohen Felsen und Gebirgen.“ Das „Gebürg“ reizte mehr den Mineralogen in ihm als den Dichter.

Sein Zeitgenosse Friedrich Ferdinand von Kotzebue nahm sich mehr Zeit für Tirol und schrieb 1805 eine Art Tirol-Laudatio mit kulinarischem Akzent: „Für Leute, die sich’s gerne bequem machen, gerne gut essen und trinken, gewinnt eine Reise durch Tyrol neue Reize. Eine Stunde, oft auch eine halbe Stunde nach deiner Ankunft wird dir ein Mahl aufgetischt, bestehend aus Fleischsuppe, Fisch, Wildbreten, delicaten Mehlspeisen, zum Dessert Confect und Früchte. Ohne Bedenken darf ich selbst schwächlichen Damen den Rath geben, sich mit dem nächsten Sommer Gesundheit und Heiterkeit in den Tyroler Gebürgen zu holen.“

 

Das „wilde“ Wipptal

In Italien erhoffte sich Goethe eine enge Berührung mit Antike und Kunst. In froher Erwartung auf diese neuen Erfahrungen eilte er in 5 ½ Stunden von Innsbruck durch das Wipptal zum Brennerpass. Die Straße führte damals auf der westlichen Seite des Silltals nahe der Felsen, und gab den Blick auf die gegenüberliegenden Geländeverflachungen und Stufen frei. 1582 wurde die Straße von Innsbruck nach Matrei wegen ihrer großen Steilheit über Schönberg umgeleitet. An dem Verlauf wurde bis heute nichts verändert.

Am Brennerpass angekommen schrieb Goethe: „ Von hier fließen die Wasser nach Deutschland und nach Welschland“, und bezeichnete damit die Wasserscheide zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer.

Die meisten Reisenden der vergangenen Jahrhunderte, empfanden die Brennerpassroute zur günstigen Jahreszeit und bei gutem Wetter als Aufstieg auf bequemem, wenn auch unerträglich staubigem Pfad. Er ist der niedrigste Übergang in den Alpen und seit jeher eine der wichtigsten Fernverbindungen zwischen Italien und Deutschland.

 

(aus GOETHEs Landschaften heute „Italienische Reise“ vom Brenner bis Venedig; FUCHS und MÜLLER, 2002, Frankfurt)

 



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